Mainz-Ebersheim
Der Altar in der katholischen Kirche
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Der Altar in der katholischen Kirche in Mainz-Ebersheim
In Ebersheim steht eine der schönsten Kirchen in Rheinhessen. Dies hat viel mit dem Hochaltar zu tun, der die Blicke sofort beim Betreten der Kirche auf sich zieht. Wie kommt dieser herrliche Altar nach Ebersheim? Hierfür müssen wir uns auf eine Reise begeben, die im 17. Jahrhundert beginnt.
Geschichte des Hochaltars von St. Laurentius
In den Jahren zwischen 1689 und 1792 blieb Mainz trotz der zahlreichen Kriege mit viel Glück von Besetzungen verschont. Die Stadt wurde zu einem einzigen Bauplatz. Es entstand das barocke Mainz mit Eckmadonnen, Eckerker, Brunnen und dem Lustschloss "Favorite". Diese Entwicklung ging auch nicht an den Kirchen vorbei, die ebenfalls prächtig ausgebaut wurden.
Eine dieser Kirchen war die älteste Pfarrkirche der Stadt, St. Quintin. Dort wurde im Jahre 1739 ein wunderschöner barocker Hochaltar mit Säulenbaldachin durch Maximilian von Welsch geschaffen. Mehr als 20 Jahre später wurde die von der verwitweten Gräfin Ostein gestiftete Rokokokanzel fertig gestellt, deren Rückwand jetzt in St. Peter gefunden wurde und jetzt für St. Quintin restauriert werden soll.
In Ebersheim war man zu dieser Zeit auch nicht untätig geblieben. Zwischen 1725 und 1729 wurde das Mittelschiff der heutigen Pfarrkirche für seine 300 Einwohner erbaut, das sich wahrscheinlich quer zu dem älteren, bereits im Jahre 1184 erwähnten Bau orientierte. Wohl aus Geldmangel verfügt die Kirche zunächst noch über keinen Turm. Dieser wurde erst ca. 40 Jahre später im Jahre 1768 mit einer Höhe von 42,40 Metern angebaut. Das Innere der Kirche war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgemalt. Weiterhin waren um 1750 zwei Seitenaltäre aufgestellt worden: Auf der linken Seite stand der "Rosenkranz- oder Marienaltar" und auf der rechten Seite der "Nikolausaltar". Die Kanzel und die Apostelbilder an der Emporenbrüstung waren ebenfalls bereits vorhanden.
Was den Hochaltar der Kirche betrifft, hatte irgendjemand in Ebersheim eine gute Idee: "Wenn in St. Quintin jetzt ein so schöner neuer Hochaltar steht, dann muss es doch in dieser alten Mainzer Pfarrkirche einen "alten Altar" geben", so die damalige Überlegung. Und tatsächlich – der aus dem Jahr 1670 stammende Hochaltar fand in St. Quintin keinen Platz mehr. Eine Vereinbarung zwischen den beiden Pfarreien wurde ausgehandelt und für 95 Gulden kam der Altar nach Ebersheim. Dort wurde jetzt noch das große Altarbild mit dem Namenspatron der Kirche, dem hl. Laurentius eingefügt und Ebersheim verfügt jetzt wohl über den ältesten, original erhaltenen Altar in einer Mainzer Pfarrkirche.
Nicht abschließend geklärt ist in diesem Zusammenhang, wann der Hochaltar nach Ebersheim kam. Während der neue Kirchenführer von St. Quintin davon spricht, dass der Altar im Jahre 1739 nach Ebersheim gelangte, geht der Ebersheimer Kirchenführer davon aus, dass der Altar im 1793 erworben wurde.
Welche Jahreszahl nun stimmt, soll an dieser Stelle offen bleiben. Vieles spricht allerdings dafür, dass der Altar seit 1739 in Ebersheim steht. Im Jahr 1793 hatte Mainz und auch Ebersheim dagegen andere Sorgen. In diesem Jahr herrschte Krieg, Mainz wurde von preußischen und österreischichen Truppen beschossen und der Mainzer Dom wurde zerstört. Die Tatsache, dass in dieser Zeit ein Altar aus der Stadt für Ebersheim gekauft wurde, ist vor diesem Hintergrund an sich nicht vorstellbar.
Wie dem auch sei. Der Blick soll hier jetzt auf die weiteren Veränderungen der Kirche gerichtet werden. Denn auch nach dem Kauf des Hochaltars gingen die Arbeiten an der Kirche weiter. Der Kirchturm wurde im Jahr 1837 renoviert.
Innen wurde die Kirche mehrmals ausgemalt, wobei die Decke im Jahre 1926 Bilder erhielt, wobei Ebersheimer Bürger für die Köpfe Modell gestanden haben. Ins mittlere Bild stellte der Maler rechts hinten den damaligen Pfarrer Anton Singer und vor diesen den Kaplan Josef Schwarz (mit Kerze).
Der größte Umbau der Kirche begann am 2. August 1908 mit der Grundsteinlegung und endete am 4. Oktober 1909 mit der feierlichen Einweihung durch Bischof Kirstein.
Zwischen diesen beiden Ereignissen wurden für 57.000 Mark das alte Chor abgerissen, das Schiff etwas verlängert und Seitenschiffe sowie ein neues Chor gebaut und eine neue Sakristei hinzugefügt. An der Rückfront der Seitenschiffe wurden zwei kleine Portale eingefügt. Die Kirche in ihrer heutigen Form war entstanden.
Nach dem Umbau konnte man in Ebersheim auch erstmals den Hochaltar in seiner vollen Pracht bewundern. Der für St. Quintin geplante Altar hatte mit seinen 12 Metern angesichts der bislang vorhandenen Deckenhöhe nicht vollständig in die Ebersheimer Kirche gepasst. Mit dem Bau des neuen Chors konnte jetzt der Höhe des Altars Rechnung getragen werden, so dass er im Jahre 1909 erstmals mit allen Elementen in die Kirche eingebaut werden konnte. Da der Altar auch einer gründlichen Renovierung unterzogen, von stilwidrigen Zutaten früherer Zeiten gereinigt und neu gefasst worden war, erschien er jetzt in neuem, bis dahin unbekanntem Glanz.
Die Ebersheimer Kirche in ihrem heutigen Aussehen konnte damit in 2008 und 2009 auf einhundert Jahre zurückschauen. Die Kirchengemeinde hat dieses Jubiläum angemessen gefeiert.
Die Altarbilder
Beim Betreten der Ebersheimer Kirche fällt der Blick sofort auf den barocken Hochaltar, der 12 m hoch ist. In der Mitte des Altaraufbaues ist ein großes Ölbild, das Martyrium des hl. Laurentius zu sehen. Oben im Altar ist ein Bild mit Jesus am Kreuz und davor kniend Maria von Magdala abgebildet.
Zu diesen beiden Bildern hat der Ebersheimer Robert Köck lesenswerte Gedanken formuliert.
Unteres Altarbild: "Wie Gold im Feuer"
Auszug: "Unter dem vielfältigen bildnerischen Schmuck des barocken Hochaltars in der Pfarrkirche zu Ebersheim nimmt das große Altarbild die beherrschende Mitte ein. Wenn auch der Zustand des alten Gemäldes Einzelheiten des Dargestellten nicht leicht erkennen lässt, so ist doch der Eindruck des Ganzen von ungeminderter Aussagekraft…"
Oberes Altarbild: "Das Zwiegespräch im Schweigen"
Auszug: "…Das Bild führt uns in nächtlichem Halbdunkel auf den Berg Golgatha, außerhalb der Stadt gelegen, die uns in vertrauter Bauweise links im Hintergrund zu entdecken ist uns zeigt uns Jesus, der nach Auskunft des Hebräerbriefes "außerhalb des Lagers", dem Schlachtort der Osterlämmer, gelitten hat…."